Nicht groß beworben war die als Kundgebung deklarierte Veranstaltung am 24. März des CSU KV Miesbach und des CSU OV Holzkichen zum Thema „Wohin geht der Euro?“ mit Peter Gauweiler (CSU) und Thilo Sarrazin. Trotzdem wollten so viele in den Saal im Holzkirchner Oberbräu, dass nicht mehr alle hineingelassen wurden. Unter den geschätzten 400 Zuhörer_innen, der Großteil gekleidet in Tracht und Anzug, war auch die Prominenz der regionalen CSU vertreten. Die Begrüßungsrede hielt Landrat Jakob Kreidl (CSU) persönlich. Er kündigt an, dass dies ein Abend sei, an dem es um die „Meinungsfreiheit“ gehe. Dass es an dem Abend nicht um den Euro, sondern vor allem um das Thema „Integration“ gehen wird, ist zu diesem Zeitpunkt schon deutlich. Persönlich begrüßt er noch Bürgermeister Josef Höß (CSU), verschiedene lokale CSU Prominenz, sowie Gäste aus dem Südtiroler Landtag, die extra angereist seien.
Danach folgt Gauweiler, dessen Aussagen zum Thema Europa wie z.B. „Ja zum Europa der Vaterländer“ auch von der NPD sein könnten. Am Anfang betont er, dass „hier in Oberbayern die Welt noch in Ordnung sei“. Gemeint war damit vermutlich, dass sich leider keine großen Gegenproteste angekündigt hatten. Vor allem dieses Thema ist es dann auch, auf dem er hauptsätzlich herumreitet. Europa werde „sowjetunionisiert“, „multikulturalisiert“, er bekenne sich deshalb zum „Europa der Vaterländer“ um die „kulturellen Verschiedenheiten“ zu bewahren. „Wir werden vernichtet“ ruft er in den Saal und vergleicht im selben Atemzug die Bayern mit den „Indianern in Nordamerika“ und spricht von dem Vorrecht derer, „die zuerst da waren“. Dafür bekommt er zwischendrin immer wieder wohlwollenden Szeneapplaus und „Jawohl“ Rufe aus dem Publikum. In diesem Tonfall geht seine gesamte Rede.
Nur sehr wenige kritische Menschen sind in dem Saal auszumachen. Sarrazin kündigt er an, als den Mann, der „das erfolgreichste Sachbuch seit dem zweiten Weltkrieg“ geschrieben hätte – eine empörte Stimme ruft daraufhin „Ja, seit „Mein Kampf“" woraufhin sich die umsitzenden Zuschauer_innen lautstark aufregen und Sprüche wie „Am liabsten dat i da oane obahaun“ fallen. Gänzlich ungestört von kritischen Stimmen wird der Abend dann endgültig, als am Anfang von Sarrazins Rede vier Demonstrant_innen unter Applaus und „Endlich“ rufen von Ordner_innen und Polizei aus dem Saal eskortiert werden. Sarrazins Rede bezieht sich vor allem auf das angekündigte Thema Euro, erweist sich im Gegensatz zu dem „Volksredner“ Gauweiler, aber als ein deutlich weniger „mitreißender“ Redner.
Insgesamt ist es erschreckend, dass die beiden Rassisten Gauweiler und Sarrazin auf so breite Zustimmung und so wenig Kritik und Protest gestoßen sind. Einzig und allein etwa 10 Personen im Saal und etwa 10 Leute auf dem Marktplatz vor dem Saal, die mit selbstgemalten Schildern gegen die Veranstaltung protestieren, nahmen öffentlich Stellung gegen die rassistische und nationalistische Veranstaltung. In der Printausgabe vom Miesbacher Merkur vom Freitag sind auch keinerlei kritische Stimmen zu lesen. Man ist stolz, dass „so prominente Leute nach Holzkirchen kommen“ (O-Zitat einer Besucherin der Veranstaltung).
Dass die Beiden wie große Staatsmänner von der regionalen Politszene hofiert werden, wäre vermutlich nicht in vielen Landkreisen möglich. Keine einzige kritische Stimme aus der lokalen Prominenz wandte sich öffentlich gegen die Veranstaltung. Die an dem Abend viel beschworene „Meinungsfreiheit“ bedeutet im Landkreis Miesbach anscheinend, so gut wie unkritisiert und mit breiter Zustimmung antimuslimischen Rassismus, Deutschtümelei und wissenschaftlichen Schwachsinn verbreiten zu können.
Inhaltlich empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die Initiative des Netzwerks „Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung“ „Demokratie statt Integration“, die von über 3000 Wissenschaftler_innen und Prominenten unterzeichnet wurde.
3 Antworten auf “„Wir werden vernichtet“ – Gauweiler und Sarrazin in Holzkirchen”
- 1 Pingback am 28. März 2011 um 22:16 Uhr
- 2 Pingback am 01. April 2011 um 11:42 Uhr
Hört hört!