Arbeiten und verzweifeln oder: Warum ich so still bin

Juhu, mal wieder ein Gastbeitrag! Vorweg: Der Artikel ist nicht gegendert, weil der Autor in einem rein männlichen Umfeld arbeitet.

Das gibt es heute auch noch, junge Menschen, die Spaß an ihrer Arbeit haben, die gerne etwas neues lernen und nicht nur fürs Geld jeden morgen früh aufstehen. Sie haben den Schritt gemacht, eine Ausbildung begonnen, viele schon sehr früh, einige später, und wussten, was für Arbeiten auf sie zukommen. Was viele aber nicht mit bedacht haben, vermiest ihnen später viele Arbeitstage.
Sie machen ihren Job nicht alleine, sie haben Kollegen und landen in einem Umfeld, wo sie in der Gruppe ganz unten stehen. Diese Hierarchien sind meist verständlich und erklärbar, schließlich kannst du als junger Lehrling noch einiges von einem älteren Arbeiter lernen.
Doch leider sollst du meist nicht nur seine Arbeitsweise übernehmen, sondern gleich noch sein Weltbild, seine Ansichten und am besten noch seine Vorlieben.
Hiermit will ich hauptsächlich von den „Harten“ Berufen sprechen, die hauptsächlich von Männern bzw. „gscheidn Mannsbildern“ besetzt sind, speziell am Beispiel der Baustelle und/oder Werkstatt.

Hier arbeiten hauptsächlich nette, harte Männer, die dich gerne unter ihre Fittiche nehmen würden und dir erklären:

wieso Frauen es mögen wenn du ihnen nachpfeifst
warum sie Frauen immer und überall beurteilen dürfen und sie gewisse Pflichten haben
dass Frauen eh nur auf dein Geld und deinen Schwanz aus sind
dass der „Neger“ nun mal ein „Neger“ ist, und die sind schmutzig weil braun
dass Frauen, die mit einem Schwarzen geschlafen haben, das letzte sind und da hängt Mann seinen Schwanz nicht mehr rein
dass die Juden immer noch Geld in den Arsch geblasen bekommen
und viele weitere unumstößliche Tatsachen die du zu wissen hast!
Wenn dir nun schlecht geworden ist, wie mir, dann sagst du vielleicht mal was dagegen. Aber Vorsicht, du bist doch ganz unten in der Hierarchie. Dein Wort zählt nichts. Bedeutet, du weißt eh von nix, aber jetzt weiß der Rest, wie du drauf bist und genießt es dich damit zu provozieren. Vielleicht denkt sogar einer ähnlich, aber in der Gruppe hast du keine Chance.
Also sagst du einmal was dagegen, zweimal, dreimal und irgendwann bist du still.
Es wird dir noch oft schlecht werden und irgendwann verzweifelst du. Dann macht deine Arbeit dir keinen Spaß mehr, die Lehrzeit vergeht viel zu langsam und du weißt nicht wie es weitergehen soll.
Und im übrigen, dass ist nur das was einem „Mann“ passieren kann, ich möchte nicht, dass ein Mensch das ertragen muss, was zu erwarten wäre, wenn eine junge Frau es wagen würde, oder sonst jemand, der nicht in dieses widerliche Weltbild passt.

Vielleicht ist das ein Problem aus Oberbayern, aber ich glaube nicht. Diese rechts-offene Einstellung bleibt erhalten, weil nur wenige sich wehren und viele sie übernehmen. So bleibt sie mitten unter uns, sitzt an der Bar, steht hinter uns an der Supermarktkasse, macht die Arbeiten am Haus, geht auf Dorf- und Stadtfeste und umringt uns eigentlich die ganze Zeit. Mensch hört sie nicht so oft offen reden, wie sie es im Schutz ihrer Hierarchie tun, aber im Großen und Ganzen ist das wohl unsere Gesellschaft, überspitzt formuliert.

Also sollten sich junge Leute entscheiden müssen, ob sie die Meinung übernehmen oder zumindest ertragen oder ihren Job kündigen, die Ausbildung beenden, weil sie kotzen müssen, wenn sie den menschenfeindlichen Dreck noch weiter hören? Dann werden sie wohl lieber zu den „asozialen Arbeitslosen“, gegen die die ehemaligen Kollegen so gerne gehetzt haben. Das alles, obwohl sie wirklich Spaß an der Arbeit hatten und sich nicht dauernd umdrehen mussten um Frauen zu entwürdigen.

Das ist für mich vollkommen unverständlich. Es fällt mir selber schwer eine Perspektive zu sehen, einen Lösungsvorschlag zu machen.

Es bleibt wohl nur zu sagen, Schuster, bleib bei deinen Leisten und lass mich mit deinem scheiß Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Lokalipatriotismus und homophoben Einstellung in Ruhe!

Lehrlinge, die neue Generation sind wir, Kampf den rechten Meinungen in Schule und Betrieb!


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